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Fußgängerübergang vor der Haupt- Post in Krakau. Mittagszeit, Menschenmassen schwingen hin und her, irgendwohin... eine Menge Autos staut sich in einem schrecklichen Getöse am Zebrastreifen, an dem sich schon einige Passanten ungeduldig versammeln, nur durch das rote Licht aufgehalten. Manche Gestalten drängen auf die ?Pole Position", damit sie „die langsamen Esel" hinter sich haben. Ältere Senioren wissen aber auch schon um den Platz zu kämpfen, in den zahlreichen Schlachten um die Sitzplätze in den Städtischen Verkehrsmitteln erfahren, machen sich bereit, die gegenüber stehende, genauso angespannte und kampfbereite Menge glimpflich durchzustechen. Auch da sind die Gesichter nicht allzu freundlich, obwohl hier und da ein neugieriger Blick sich ein Antlitz aus der Menge heraus pickt und bekundet. Manchmal wird er sogar erwidert. Der einzige Augenblick einer Wahrnehmung eines anderen Individuums auf dem Weg von zu Hause in die Arbeit oder umgekehrt, das auch schnell mit dem grünen Licht der Ampel im Fluss der Menschen wieder in die sichere Anonymität verschwindet. Die Spannung steigt, manche rennen Fahlstart, jedoch die Autos, die noch im Stau stecken und noch vor den Passanten rüber schaffen möchten, verscheuchen diese „Idioten, Schafe, Versager" mit lautem Hupen von der Straße, wie eine Schafsherde, die über die Straße herfällt.

Noch rot, die Autos stehen im Wege, die Masse angespannt in der Starre nach vorne gelehnt, schon steht eine Oma mit Gehstock auf der Straße, jetzt kann die Menge nichts mehr stoppen, es ist grün. Die Alte Frau bleibt hinten, die jüngeren erreichen die Spitze der „Angriffsgruppe", Augen herunter oder seitlich gewendet und durch. Es bilden sich Kanäle zwischen den Vorbeigehenden. Die schwächeren schieben die stärkeren von hinten. Jeder ringt um seinen ?eigenen" Platz, etwas mehr „Atem" auf Kosten des Wenigeren. Nach 20 Meter erfolgt die nächste Attacke, Attacke um den ersten, zweiten usw. Platz, oder um den eigenen Freiraum. Seine persönliche 2,55m freien Schritts. Die Masse lockert sich auf und die einzelnen „Individuen" schreiten separat hinten und vorne in einem eintönigen Soldatenschritt ungestört von der Außenwelt zum Ziel hin...
Die Situation gewinnt langsam an Klarheit, jeder erkämpfte sich seinen Raum. Der eine, der überholt hat, beschleunigt nicht mehr, der Überholte tritt nicht auf die Fersen des Nächsten, der bequeme Rhythmus und die vorgegebene Ordnung bleiben. Die Menschen erreichen den Markt und jeder geht in seine eigene Richtung...
maciek dyczkowski